Politik (be-)trifft Kultur – Klappe die Dritte. So oder so ähnlich würde es in derFilmbranche lauten. Und die hätte an diesem kulturpolitischen Abend Jazz-Club Minden nicht besser vertreten werden können, als vom Filmfestspieldirektor der Berlinale Dieter Kosslick persönlich. Für seine beliebte Veranstaltung konnte der heimische Bundestagsabgeordnete Steffen Kampeter ihn sowie den viel beachteten Schriftsteller und Theaterautor Moritz Rinke in den Mühlenkreis locken.
Frei zum Motto „Bewegte Bilder treffen bewegende Sprache“ diskutierte Kampeter in der lockeren Atmosphäre des sehr gut gefüllten Jazz-Clubs mit seinen beiden Gesprächspartnern. Begeistert folgten die Zuhörer zunächst Kosslick‘s Schilderungen von und über die Berlinale. Denn Kosslick gewährte ihnen mehr als nur einen Blick hinter die Kulissen des weltweit größten Publikums-Festivals. Als reine Filmfestspiele – wie in Cannes oder Venedig – will der Direktor die Berlinale nicht verstanden wissen und betonte politische und gesellschaftlichen Ansprüche. Und dies nicht erst, seit den nunmehr zehn Jahren unter seiner Ägide. Die Auswahl der gezeigten Filme stehe mithin auch unter diesen Gesichtspunkten. Für jede Berlinale würden so insgesamt 5.500 Filme angesehen und bewertet werden. Dass dies der Festival-Direktor nicht allein schaffe, liege auf der Hand. „Ich selbst schaue mir etwa 250 Filme pro Jahr an, das macht einen Film pro Tag.“ Auf der Berlinale dann werden 400 Filme in zehn Sektionen gezeigt. Abgesehen von Zelluloid und Leinwand: „Die Berlinale ist Weltereignis“, erläuterte Kosslick, welches in den zehn Tagen über 4.000 Journalisten und weit mehr als 300.000 Besucher nach Berlin ziehe. Und „eine ökonomische Größe für die Bundeshauptstadt und für Deutschland“, fügte er mit einem Augenzwinkern an, „mit einem Aufkommen von etwa neun Millionen Euro an Steuern“. Auf diesem hohen Niveau will der Berlinale Direktor das Festival in der zweiten Dekade seiner Amtszeit halten, versprach Kosslick auch den Kulturbegeisterten im Mühlenkreis.
Nach diesem Ausblick hielt der Dramatiker und Autor Moritz Rinke dann der Gegenwart den Spiegel vor. Nach Kosslick wusste Rinke, der sich vor allem mit seinem Roman „Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel“ einen Namen in der deutschen Kulturszene erarbeitete, das Publikum im Jazz Club Minden zu begeistern und es mitzureißen. In Rinkes preisgekrönten Geschichten, Reportagen und Kolumnen ist die Welt nie sicher vor seinem Sprachwitz, seiner Beobachtungsgabe und Phantasie. Was der gefragte Schriftsteller unter anderem mit der Lesung aus „Der Blauwal im Kirschgarten“ gekonnt unter Beweis stellte.
„Dieser Abend war erneut eine so rundum gelungene Veranstaltung“, resümierte Kampeter zufrieden. So dass es für Politik (be-)trifft Kultur im Mühlenkreis wohl auch eine vierte Klappe geben wird.