Steffen Kampeter schafft den Wechsel - CDU bei Erst- und Zweitstimme in Minden-Lübbecke I vorn - SPD verliert 8,6 Prozent
Im Foyer vor dem Sitzungssaal im Kreishaus wartete Achim Post gestern im Kreise von Parteifreunden auf den Wahlausgang. Mitstreiter wie Karl-Heinz Haseloh oder der frühere Landrat Heinrich Borcherding zeigten sich tief enttäuscht. Denn nach den ersten Ergebnissen aus den traditionell ländlich-konservativen Stimmbezirken konnte die Lücke zu den »Schwarzen« nicht mehr geschlossen werden.
Kurz nach 20 Uhr schließlich, der Vorsprung für Steffen Kampeter lag bei 5000 Stimmen, ging Achim Post auf den Wahlsieger zu und gratulierte. Steffen Kampeter: »Danke. Es war ein fairer Wahlkampf.« Er ist jetzt der einzige Abgeordnete für den Mühlenkreis im Bundestag. Die drei anderen Bewerber waren chancenlos.
Die Piratenpartei konnte mehr als 2284 Stimmen auf sich vereinen und somit 1,6 Prozent erreichen. Sie erzielte damit ein besseres Ergebnis als alle Rechtsextremen (NPD, DVU und Republikaner zusammen) mit 1,2 Prozent der gültigen Stimmen. Erstaunlich die Linkspartei. Während die Grünen und die FDP bei der Erststimme deutlich unter der Höhe der Zweitstimme blieben, erzielt Kandidat Luzian Junkereit mit 6,1 Prozent nur einen Prozentpunkt weniger als die Linke bei den Zweitstimmen einsammelte: Und das, obwohl der Kandidat wegen internen Zwists nicht mehr öffentlich aufgetreten war.
Und die Wahlbeteiligung? Hatte der Wahlkreis Minden-Lübbecke I 2005 noch etwa ein Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 77,7 Prozent gelegen, so lag er 2007 mit 70,5 Prozent unter den bundesweiten 71,2 Prozent - Negativrekord.
In Lübbecke durften einige Wähler sogar ein zweites Mal »wählen«. In den Wahlkreis 050 und 080 ließen Umfrageinstitute von ARD und ZDF die Wähler nach der Stimmabgabe noch einmal den Wahlzettel auszufüllen - für die 18-Uhr-Prognosen.
Kommentar
Schock für die SPD
Der große Verlierer dieser Wahl im Mühlenkreis ist die SPD. Die Sozialdemokraten schicken keinen Abgeordneten mehr in den Bundestag. Die Freude bei der CDU ist verständlich. Seit 19 Jahren sitzt Steffen Kampeter im deutschen Parlament, schaffte den Sprung aber bislang nur über die Liste. Achim Post konnte die Menschen bei seiner ersten Kandidatur nicht so motivieren wie sein erfahrener Gegenkandidat. Die SPD wird analysieren müssen, wie die Verluste zu erklären sind: Engagement im Wahlkampf war jedenfalls vorhanden.
Grund zur Freude haben die Liberalen. Sie überzeugten mit einem gemäßigten Wahlkampf der leisen Töne und der Sachargumente. Die Verluste der CDU lassen sich damit erklären, dass CDU-Anhänger ihre Zweitstimme der FDP gaben. Und Kampeter dürfte davon profitiert haben, dass FDP-Wähler ihn mit Erststimme wählten. Die Taktik ist aufgegangen. Schwarz-Gelb hat gewonnen. Elke Bösch
