Rahden: Das Krankenhaus wird umgebaut
Der Beschlussvorschlag musste kurzfristig auf Betreiben der SPD-Fraktion geändert werden. Die Sozialdemokraten wollten die Einbindung des Rahdener Hauses in das medizinische Gesamtkonzept der Mühlenkreis-Kliniken in den Beschluss aufgenommen wissen. »Wenn das als Stärkung des Rahdener Standortes gemeint ist, können wir dem beipflichten«, erklärte Friedrich Klanke (CDU) nach langer Diskussion. »Der Beschluss ist für Rahden eine gute Entscheidung«, meinte Wolfgang Hesse, Ex-Kreistagsmitglied, nach der Sitzung. »Wir haben jetzt darauf zu achten, dass die Beschlüsse zügig umgesetzt werden.
Die Diskussion um einen Neubau ist vom Tisch. Jetzt wird es einen Umbau des Hauses mit den klassischen Disziplinen Chirurgie und Innere Medizin geben.«Dr. Werner Kreft, Vorsitzender des Freundeskreises Rahdener Krankenhaus: »Die SPD hat mit der Diskussion um das Konzept eine Rechtfertigung für die Verzögerungen gesucht. Für mich ist das eine Taktik, um zu kaschieren, dass nicht alle einer Meinung waren.«
Bürgermeister Bernd Hachmann betonte, dass der Beschluss ein Schritt in die richtige Richtung sei. »Das Betriebskonzept muss nun mit Leben gefüllt werden um dadurch den Standort Rahden attraktiv zu halten. Ich wünsche mir, dass jetzt die Mitarbeiter in die Konzeption mit eingebunden werden, denn sie kennen die Vorteile des Standortes und wissen, was besser gemacht werden kann.« Der Standort Rahden müsse nicht nur erhalten, sondern für die Zukunft auch gestärkt werden, erklärte das Stadtoberhaupt.Die Mitglieder des Kreistages haben mit dem Beschluss gleichzeitig die Mühlenkreis-Kliniken beauftragt, das Vorhaben zeitnah, ohne Verzögerung umzusetzen. Hachmann hatte in einem Brief an Landrat Dr. Ralf Niermann die Forderung des Ratsbeschlusses nach einem Beginn der Umbaumaßnahmen bis Mitte des Jahres 2010 nochmals bekräftigt. Niermann hat bestätigt, dass nach Vorlage des Kreistagsbeschlusses die Vorbereitungen für die Auftragsvergabe und die Genehmigungsverfahren »unmittelbar« eingeleitet werden sollen. »Nach derzeitiger Auffassung der Vorstandes kann bis Mitte des Jahres die Ausschreibung für die Fachplaner beziehungsweise einen Generalunternehmer erfolgen«, erklärte Dr. Ralf Niermann bereits am 17. Februar.
Die Baukosten in Höhe von 13 Millionen Euro werden durch einen Zuschuss des Kreises in Höhe von vier Millionen Euro unterstützt. Außerdem sei die Umsetzung des Bauvorhabens an mehrere Voraussetzungen geknüpft:Eine der Bedingungen ist, dass die Stadt Rahden an der Zusage des Zuschusses von einer Million Euro festhält. Diese Voraussetzung ist durch den Ratsbeschluss vom 4. Februar geschaffen worden (diese Zeitung berichtete).
Weitere Bedingung für den Umbau ist, dass die Krankenhäuser Lübbecke und Rahden planerisch zusammengefasst werden sollen. Vor Beginn des Baus müssten außerdem alle baurechtlichen Genehmigungen vorliegen. Die langfristige Finanzierung müsse durch verbindliche schriftliche Zusagen der Kredit- und Fördermittelgeber gesichert werden. Weitere Bedingung ist, dass die vorhandene Rettungswache baulich in ihrem Bestand zu sichern ist.
Portalklinik
Die Portalklinik soll bei verringeten stationären Kapazitäten leistungsfähiges medizinisch-technisches Know-how anbieten. Durch Kooperation mit anderen Krankenhäuser (in Rahden das Klinikum Minden und Lübbecke) geschieht dies auch durch Einsatz der Telemedizin. Dadurch profiert die Portalklinik vom Wissen der Spezialisten in anderen Häusern. Auch niedergelassene Ärzte können sich an einer Portalklinik niederlassen oder eng mitihr kooperieren. Die Portalklinik ist ein Haus, das die Grundversorgung der Menschen vor Ort sicherstellt. Und sie je nach Diagnose ambulant behandelt, stationär aufnimmt oder an Krankenhäser der Regel- oder Maximalversorgung weiterleitet.
Kommentar
Jetzt kommt es auf Inhalte an
Der erste Schritt ist endlich vollbracht. In Rahden wird eine Portalklinik entstehen. Der Standort ist gerettet, wenn auch im alten Gebäudebestand. Auch weiterhin können sich die Menschen aus dem Nordkreis und dem benachbarten Niedersachsen auf die medizinische Grundversorgung verlassen und auch stationär behandelt werden. Nur, spannend bleibt es trotzdem. Da kursieren viele Gerüchte, zum Beispiel Änderungen für die Notfall-Ambulanz, oder gar die Reduzierung der Intensivplätze. Besorgte Bürger fragen sich auch des öfteren, ist was dran, dass nachts im Rahdener Krankenhaus nicht mehr operiert werden soll? Verunglückte und Notfälle direkt nach Lübbecke weiter transportiert werden, vorbei am Haus in Rahden? Das alles sind Fragen, die noch nach Antworten suchen, die sie hoffentlich bald finden. Bis zur Eröffnung der Portalklinik gibt es bestimmt noch viele Diskussionen.
Elke Bösch