"Wir wollen Möglichkeiten geben"

Zu Besuch beim Unternehmensverbund Lebensperspektiven e. V.

Obwohl sie viel um die Ohren hat, zwischen Rahden und Düsseldorf pendelt, nimmt sich die CDU-Landtagsabgeordnete auch dieses Jahr wieder Zeit für ihre Sommertour.

„Politik muss im Alltag der Menschen zuhause sein“, das ist ihr Motto. Genau deshalb war und ist Bianca Winkelmann auch diesen Sommer überall im Mühlenkreis unterwegs. Sie besucht Unternehmen bzw. Einrichtungen und will sich vor Ort im direkten Gespräch informieren: „Wir können nur gute Politik für die Menschen machen, wenn wir den Menschen vorher auch zugehört haben. Besonders mein Wahlkreis hier liegt mir natürlich am Herzen. Wir sprechen mit Verbänden, Unternehmen, Vereinigungen. So können wir am besten sehen, wo Handlungsbedarf besteht“.

Gesagt… und beim Wort genommen. Lothar Pannen, geschäftsführender Vorstand des Unternehmensverbundes Lebensperspektiven e. V. aus Stemwede-Haldem, hatte Bianca Winkelmann eingeladen. Er begrüßte sie und ihre Begleitung Florian Hemann (wissenschaftlicher Mitarbeiter) am 17. Juli 2019 um 15.30 Uhr zuerst in den Räumen der Verwaltung an der Haldemer Straße. Dann ging es weiter mit einem kleinen Spaziergang zum Mutter-Kind-Wohnen. Das Ziel dieser Einrichtung ist es, gemeinsam für beide Generationen einen Weg zu gestalten, der eine langfristige eigenständige Zukunftsperspektive aufzeigt. Qualifizierte Fachkräfte unterstützen Frauen bei der Entwicklung und Übernahme der Verantwortung in ihrer Aufgabe als Mutter. Schutz, Versorgung, und Pflege der Säuglinge und Kinder sind eingebettet in Geborgenheit, Wärme und Vertrauen.

Vor dem Haus mit dem großen Außen-Spielbereich warteten bereits zwei Mütter mit ihren Kindern und Bianca Boese, die Fachbereichsleitung Familienwohnen. Vorab gab es erst mal einen Rundgang durch das Gebäude. Bianca Winkelmann schaute sich die Räumlichkeiten an und bestaunte im Wohnzimmer das sehr große Sofa. „Da haben wir auch lange gesucht, bis wir ein Sofa fanden, auf dem alle Platz haben“, berichtete Bianca Boese schmunzelnd. Das Mutter-Kind-Wohnen in Haldem ist für sieben Mütter und ihre Kinder ausgerichtet und zurzeit auch komplett belegt. Jede Mutter wohnt mit ihrem Kind in einer eigenen kleinen Wohnung im Gebäude, einige Räume wie die Küche und auch das Wohnzimmer werden gemeinschaftlich genutzt. Eine dieser Wohnungen konnte sich die Landtagsabgeordnete anschauen. Vorher musste natürlich die Bewohnerin ihr Einverständnis geben. „Denn hierbei handelt es sich ja um die Privatsphäre der Mutter“, verdeutlichte Bianca Boese. Auf die Nachfrage der Politikerin, ob es auch Vater-Kind-Wohnen geben würde, erklärte Bianca Boese, dass dies im Trainingswohnen in Lemförde möglich sei und auch aktuell dort in Anspruch genommen wird.

Endlich war es soweit – am liebevoll gedeckten Tisch wurde der von den Müttern und Mitarbeiterinnen selbst gebackener Kuchen serviert. Zeit für kurzes Entspannen und Genießen… Dann ging es auch schon los mit der sehr angeregten Diskussion. Bianca Boese und Lothar Pannen stellten ihre Sicht auf die politischen Rahmenbedingungen ihrer Arbeit dar. Sie formulieren konkrete Forderungen an die Landespolitik auch und gerade in puncto des ab dem 01. Januar 2020 in Kraft tretenden Teiles (Eingliederungshilfe) des neuen Bundesteilhabegesetzes. Die Umstellung sei schwierig und sowohl seitens der Mütter als auch der Einrichtung stünden viele Fragen im Raum. Förderung fehle für Mütter, die nach einem Praktikum arbeiten wollen und auf einen entsprechenden Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung hoffen bzw. warten. Diese in Haldem im kleinen Kreis formulierte Forderung steht übrigens im Einklang mit den bundesweit gemeinten Aussagen der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen aus der Zeit der Bundestagswahl 2017: „Für einen inklusiven Arbeitsmarkt“. In Niedersachsen funktioniere das besser als in NRW –  dort waren die Mittel vergleichsweise schnell ausgeschöpft. Der LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) äußerte sich diesbezüglich schriftlich: „Eine Lösung könnte darin bestehen, dass der Bund weitere Mittel zur Verfügung stellt. Darauf haben wir jedoch nur bedingt Einfluss“ (28.09.2017). Umso besser, dass nun direkt aus der Praxis konkret an die Politik dieselbe Forderung gerichtet werden konnte.

Anhand eines Beispiels wurde es unmissverständlich: Lebensperspektiven e.V. bietet Chancen! Ein derzeitiger Mitarbeiter in der Servicehaus Stemwede gGmbH wurde genannt, der vorher bei der Lebenshilfe in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung tätig war. Nun verdient er sein eigenes Geld und sorgt selbstbestimmt für seinen Lebensunterhalt. Um dieses möglich machen zu können, bedarf es für Inklusionsunternehmen wohl oder übel der Fördergelder. Ein mehrfacher Mehrwert wird am erwähnten Beispiel klar: Mehrwert für den wenigstens finanziell autark lebenden Menschen mit Behinderung; Mehrwert für den „Ersten Arbeitsmarkt“, der einen Beschäftigten gewinnt; Mehrwert für den Staat, der weniger Transferleistungen bereitstellen muss. Ein weiteres Thema des Dialogs mit der Landtagsabgeordneten war das auf diese Weise möglich werdende Durchbrechen von manchmal bereits in der vierten Familiengeneration stabil gewordenen Kreisläufen der sozialen Hilfen. „Wir wollen etwas erreichen, Möglichkeiten geben und vor allem Gehör finden“, lautete im Fazit die Botschaft von Lothar Pannen an Bianca Winkelmann.

Als die Mütter direkt befragt wurden, kristallisierte sich eine Problematik heraus – genau passend für Bianca Winkelmann als ordentliches Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Dabei geht es um die schlechten öffentlichen Verkehrsmittel in Haldem und Umgebung: „Wir Mütter haben kaum Möglichkeiten, mit dem Bus oder der Bahn mal in die Stadt zu fahren. Nur mit dem PKW… aber gerade das ist doch auch für den Umweltschutz und die CO2-Vermeidung wichtig“.

Fachbereichsleiterin Bianca Boese berichtet zum Schluss noch über ein besonderes Herzens-Projekt: „Wir wollen ein eigenes Buch herausgeben, in dem wir über unsere Erfahrungen, pädagogischen Methoden und Erlebnisse schreiben. Es erfüllt uns mit Stolz, dass es dieses Jahr im Herbst endlich so weit sein wird.“

Viel Input für Bianca Winkelmann – und die nächste Einladung steht bereits: „Besuchen Sie uns gerne wieder, bei uns ist immer etwas los. Wir haben Ihnen noch viel zu zeigen und auch vieles ist in Planung“, verabschiedete sich Lothar Pannen.

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